Sportlich gute Jahre kommen noch

Duathletin Ulrike Schwalbe hat Einzel-WM-Titel im Visier

 

Dass Cafés in großen Städten für sie ein Ort zum Wohlfühlen sind, wusste ich vor unserer Verabredung nicht. Der Vorschlag, uns in einem zu treffen, war der Situation geschuldet. Später sollte ich erfahren, dass sie zu Hause oder auf Bergen, „auf denen man seine Ruhe hat“, genauso gut relaxen kann. Nun also saß sie mir gegenüber: Mittelgroß, schlank, mit raspelkurzen blondierten Haaren. Jenseits dieser Äußerlichkeiten nimmt mich der offene, neugierig-erwartungsvolle Blick der jungen Frau gefangen. Diese zarte Person soll die Weltranglisten-Dritte im Duathlon sein?

 

   

Und nicht nur das. Ulrike Schwalbe hat noch  mehr sportliche Erfolge vorzuweisen: Deutsche Vizemeisterin im Einzel, Vizewelt- und Vizeeuropameisterin in der Mannschaft und sie gehört zum Nationalteam. Auf die Frage nach dem Sieg beim Kernberglauf im Herbst 2003 über die 15-Kilometer-Distanz reagiert sie teils amüsiert, teils ein bisschen verärgert. Das errege in Jena sehr viel mehr Aufmerksamkeit als etwa ihr dritter Platz im Halbmarathon kurz vorher, konstatiert die 25-jährige Sportstudentin.

Dabei ist der Jenaer Klassiker eher eine gute Trainingseinheit als eine echte Herausforderung. Trotzdem schätzt die gebürtige Plauenerin die Berge um ihren Studienort. Denn sie bieten ideale Bedingungen zum Laufen und Radfahren. Das sind die beiden Disziplinen, die ihren Sport ausmachen. 10 Kilometer laufen, das Vierfache davon auf dem Rad und noch einmal 5 Kilometer per pedes sind beim Duathlon mindestens gefordert.

10-60-10 Power(wo)man-Maße
Die Powerman-Strecke indes liegt bei 10-60-10 Kilometern. Eine noch größere Herausforderung dürften jene 10-120-20 Kilometer sein, die die Weltmeisterschaft 2004 als lange Distanz vorsieht. „Das ist etwas, das mich sehr reizt“, steckt Ulrike Schwalbe ihr nächstes sportliches Ziel ab. Dabei will sie nach den Erfolgen in der Nationalmannschaft endlich auch eine Einzelmedaille holen. Dafür wird sie im Februar drei Wochen in den Bergen von Mallorca trainieren, mindestens 600 Kilometer pro Woche Rad fahren und natürlich „etliche Kilometer laufen“.

Der Bewegungsdrang sei ihr angeboren, erzählt Schwalbe, die gern Pizza und Spinat isst und Gummitiere - der schnellen Beine wegen, wie sie verschmitzt meint. Bereits im Alter von acht Jahren hat sie Sport für sich entdeckt. Zunächst Leichtathletik, doch dann haben sie Tennis und andere Ballspielarten nicht mehr losgelassen. Gelaufen sei sie eigentlich immer und Fahrrad gefahren sowieso. Da schlagen die Gene des Vaters durch, eines begeisterten Radsportlers. „Er hat mich nie in eine Sportlerlaufbahn gedrängt, mich aber immer unterstützt.“ Auch, als sie 1997 eher zufällig auf Duathlon aufmerksam wurde und sich kurzerhand sagte: „Das probier ich mal.“

Im Jahr darauf startete Schwalbe für den „CLV Megware Chemnitz“, wurde prompt deutsche Juniorenmeisterin und erkämpfte sich bei der Junioren-WM auf Anhieb einen fünften Platz und mit der Mannschaft Rang zwei. Keine Eintagsfliegen, wie sich an der Liste der Erfolge ablesen lässt.

Sportlerkarriere und Studium
Einfach war’s nicht, zumal Ulrike Schwalbe sportliche Karriere und Studium unter einen Hut bringen muss. Seit 1997 studiert sie an der Uni Jena. Ursprünglich Jura, aber „das war mir zu trocken“. Sie wechselt zu Sportwissenschaft und arbeitet auf ein Diplom in ihrem Spezialgebiet Bewegung und Leistung hin. Ihr Grundstudium hat sie „stark gestreckt“ - nicht nur wegen der Wettkämpfe, sondern auch, weil die Universität den Erwerb von bestimmten Testaten ob der vielen Studenten nicht in der vorgeschriebenen Zeit sichern konnte. Ein Urlaubssemester stand nie zur Debatte. Jetzt, wo sie es brauchen könnte, müsste sie als Folge im 13. Semester Studiengebühren bezahlen...

„Das kann ich mir nicht leisten“, sagt die junge Frau. Da Duathlon verglichen mit anderen Sportarten finanziell wenig einbringt, denkt sie über eine Teilnahme beim berühmten „Ironman“-Triathlon auf Hawaii nach. Duathlon sei eben keine olympische Disziplin, also schießt auch der Verband nichts zu, erklärt sie. „Entweder man zahlt alles aus eigener Tasche oder man sucht sich Förderer.“ Wobei diese dann noch eher in Männer investieren. Ulrike Schwalbes „Hauptsponsor“ sind daher nach wie vor ihre Eltern. Emotional stärkt ihr zudem ihr Freund den Rücken.

Selbst ein begeisterter Radsportler, „hat er seine Ambitionen hintenan gestellt, um mich zu unterstützen“. Das wird er auch noch eine Weile müssen. „Meine guten sportlichen Jahre kommen erst noch“, ist sie sich sicher. Schließlich sei sie eine der Jüngsten im Starterfeld. Alle „Größen vor mir“ sind 30 bis 35 Jahre alt. „Da habe ich noch ein paar Jahre.“
Neben den sportlichen Zielen hat Ulrike Schwalbe natürlich auch private Wünsche. Mit sich zufrieden sein und am Ende des Lebens wenig bereuen müssen, stehen ganz oben. Klavier würde sie gern spielen lernen, wie einst als Kind - dank der musischen Mutter - Flöte und Gesang. Vielleicht noch ein zweites Studium dranhängen, Germanistik oder Journalistik. Denn Schreiben, Gedichte und kleine Geschichten, ist eine weitere Leidenschaft. Wobei sie sich von Erich Fried, Hans Kruppa und Christa Wolf inspirieren lässt. Auch bei Musik legt sie Wert auf „interessante Texte - und melancholische Melodien.“Mit U2, Heather Nova, HIM und Maximilian Hecker steckt sie ihr Hörfeld ab.

„Um zu siegen, muss man an den Sieg glauben“ - nach diesem Motto handelt Ulrike Schwalbe nicht nur, wenn es im Duathlon darum geht, der Konkurrenz die Hacken und das Hinterrad zu zeigen. Uschi Lenk

Träume vom Siegertreppchen: Ulrike Schwalbe versucht, Sportlerkarriere und Sportstudium unter einen Hut zu bekommen.
Kontakt über die private Internetseite: http://www.ulrikeschwalbe.de

Fotos (3): Scheere

letzte Änderung: Kai Friedrich am 2004-05-03 10:40:32   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang

  

ePorträt Ulrike Schwalbe

Weltmeisterin Duathlon-Langdistanz 2004